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IV. Praxisbericht
Durchführung der Werkstatt Menschenpyramiden beim
Bundestheatertreffen der Länder im September 1999
A. Situationsanalyse
Das Schultheater der Länder ist ein
Theatertreffen für Schultheatergruppen aus allen Bundesländern (jeweils eine Theatergruppe), das jährlich in einem anderen Bundesland stattfindet. Das 25. Treffen findet in Thüringen statt. Die zum
Rahmenthema ausgewählten Gruppen stellen sich auf diesem Treffen ihre Produktionen gegenseitig und der Öffentlichkeit vor, diskutieren darüber und erweitern ihre Fähigkeiten in Theaterwerkstätten (aus der Wekstattausschreibung).
Für die Theaterwerkstätten gibt es eine
Ausschreibung, das Motto lautet: GeschichteN erzählen. Ich bewerbe mich im März 1999 mit der Werkstatt Menschenpyramiden und erhalte im April die Zusage.
Im Juli bekomme ich nähere Informationen
über die örtlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten und die Zusammensetzung meiner Gruppe. Sie soll aus zwölf Jugendlichen (sechs Frauen/ sechs Männer) im Alter von 16-19 Jahren bestehen. Jeweils zwei
kommen aus einem Bundesland und alle haben sich freiwillig für die Werkstatt entschieden.
Das Theatertreffen, an dem dreihundert
SchülerInnen teilnehmen, dauert eine Woche, in der die Jugendlichen schulfrei haben. Die insgesamt 18 verschiedenen Werkstätten sind zweitägig geplant: Am ersten Tag soll in einem Vormittags- und einem
Nachmittagsblock von jeweils dreieinhalb Stunden ein Programm passend zum Motto erarbeitet werden, das am Abend aufgeführt wird. Am zweiten Tag ist ein Besuch von jeweils zwei Werkstattgruppen bei einer
Schultheatergruppe in Thüringen geplant (Thüringentag), um nochmals das Ergebnis des vorigen Tages aufzuführen und sich mit der Theatergruppe auszutauschen.
B. Zielvorstellungen
Hauptziel der Werkstatt ist es, aufgrund
der vorgegebenen Rahmenbedingungen eine kurze Aufführung von circa fünf Minuten Länge passend zum Motto GeschichteN erzählen zu erarbeiten.
Da die Jugendlichen relativ alt und zudem
sehr erfahren in ihrer Theaterpraxis sind, will ich ihnen die Möglichkeit zur Eigeninitiative geben. Die Werkstatt soll ein Raum zur Erprobung von Neuem und zur Erweiterung bereits vorhandener
Fähigkeiten und Fertigkeiten sein, in dem sich die Jugendlichen frei gestalterisch bewegen können. Anregungen werden von mir geliefert, die Initiative zu Handlungen soll aber im optimalen Fall von den
Jugendlichen selbst ausgehen. Es soll ihnen genug Platz für problemlösendes Denken eingeräumt werden, ohne sie mit vorgefertigten Lösungen von der selbständigen Bearbeitung der Aufgabe abzuhalten.
Ein weiteres Ziel ist eine gewisse
Leistungsbereitschaft der Jugendlichen, die nicht durch Zwang meinerseits, sondern durch Begeisterung an der Sache entstehen soll. Ich möchte versuchen, den Jugendlichen Akrobatik und den Bau von
Menschenpyramiden so zu vermitteln, daß sie Freude daran empfinden, die verschiedensten Übungen auszuprobieren. Sie sollen die Fertigkeit der Körperbeherrschung, die für akrobatische Kunststücke
nötig ist, in erster Linie als lustvoll und nicht als anstrengenden Kraftakt erleben.
Neben Leistungsbereitschaft soll auch die
Bereitschaft zur Kooperation innerhalb der Gruppe gefördert werden, die in hilfsbereitem Verhalten und Fehlen von Konkurrenzverhalten - vor allem auch im Hinblick auf die Gruppenzusammensetzung von
weiblichen und männlichen Jugendlichen - zum Ausdruck kommt.
Eine gewisse Verbindlichkeit ist wegen
dem vorgegebenen Organisationsrahmen ebenfalls wünschenswert.
C. Geplante Methoden der Zielumsetzung
Zum Einstieg in das erste Treffen der
Gruppe plane ich eine Kennenlernrunde, bei der sich die Jugendlichen vorstellen, über ihre Vorkenntnisse berichten und die einzelnen Erwartungen im Hinblick auf die Werkstatt abgeklärt werden können.
Damit soll erreicht werden, daß die Jugendlichen, die sich noch nicht kennen, schneller in Kontakt kommen können und einer kooperativen Gruppenarbeit nichts im Wege steht.
Nach diesem Einstieg sollen einige
weitreichende Informationen zu meiner Person und zum Thema der Werkstatt erfolgen, z.B. über den Inhalt des Projektes und die verschiedenen Arten der Akrobatik. Ein erster Eindruck kann anhand von
mitgebrachten Fotos vermittelt werden. Anschließend findet ein gemeinsames Aufwärmen statt, ein kurzer Exkurs über Sicherheitsregeln in der Akrobatik und als Einstieg in die Praxis einige Einzelübungen.
Danach werden Zweierbalanceübungen und erste einfache Figuren zu zweit angeboten und der Bau erster großer Pyramiden vorgeschlagen. Die Gruppe bekommt die Aufgabe gestellt, Ideen für die gemeinsame
Geschichte rund um die Menschenpyramide zu sammeln und zu entwickeln.
Zur Auflockerung für zwischendurch
will ich verschiedene Jongliermaterialien zur Verfügung stellen, da sieben Stunden Akrobatik am Stück für AnfängerInnen sicherlich zu lange sind.
weiter...
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