|
4. Aufwärmen
Akrobatik ist eine bewegungsintensive körperliche
Aktivität, deshalb sollte ein richtiges Aufwärmen vor dem Beginn von Übungen selbstverständlich sein. Richtiges Aufwärmen hilft, das Verletzungsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren, und verbessert
darüber hinaus die Ausführung der Übungen, da man sich aufgewärmt besser bewegen kann.
Gründliches Aufwärmen beinhaltet sowohl
die allgemeine Aufwärmphase als auch die sportspezifische Phase.
Die allgemeine Phase besteht zuerst aus
leichten Lauf- und Sprungübungen, die der Steigerung der Herz- und Kreislaufaktivität dienen und die Muskeln auf kraftvolle Kontraktionen (Fodero 1996, S. 22) vorbereiten. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen halte ich es für sinnvoll, dieses Ziel spielerisch (z.B. durch leichte Fangspiele) zu erreichen. Dies hat über den gewünschten Effekt hinaus den Vorteil, daß die Stimmung lockerer wird und man schon einmal beginnt, sich auf die körperliche Nähe, die Akrobatik mit sich bringt, einzulassen.
Als nächstes sollte die Dehnphase
erfolgen. Es ist sinnvoll, dies entweder von oben oder unten zu beginnen und sich langsam in eine Richtung vorzuarbeiten. Die Dehnübungen müssen statisch (d.h. Halten des gedehnten Muskels an dem Punkt,
an dem ein leichter Schmerz zu spüren ist für ca. zehn Sekunden) und nicht, wie früher gelehrt, dynamisch ausgeführt werden, da ansonsten die Gefahr eines Muskelfaserrisses besteht. Wenn die
WorkshopteilnehmerInnen schon über Vorerfahrungen beim Dehnen (z.B. durch Schulsport, Vereinssport oder regelmäßige Workshops wie im Kinderzirkusprojekt in Fürth) verfügen, lasse ich sie oft die
Auswahl der Übungen gemäß dieser Richtlinien selbst entscheiden.
Da Akrobatik sehr viel
Körperbeherrschung, die hauptsächlich über kraftvolle Muskelspannung erreicht wird, verlangt, sollten nun noch einige Kraftübungen (z.B. Hocksprünge auf der Stelle oder auch Liegestützen) erfolgen.
Als nächstes erfolgt die sportspezifische Phase, die
den fließenden Übergang zur Partnerakrobatik bildet. Diese kann mit Soloübungen wie Rolle vorwärts, Sprungrolle, Rolle rückwärts, Kopfstand und Handstand-abrollen beginnen. Dies hat den Vorteil, daß die
TeilnehmerInnen das Abrollen lernen bzw. verbessern und so im unglücklichen Fall besser reagieren können. Außerdem bietet diese Phase eine gute Gelegenheit, sich eine Einschätzung über die individuellen
sportlichen Fähigkeiten und Vorkenntnisse der TeilnehmerInnen zu machen.
Als nächstes kommen Gleichgewichtsübungen zu zweit. Viele
dieser Bewegungshandlungen und das Prinzip des Ausbalancierens in diesen einfachen Bewegungsabläufen wiederholen sich beim Pyramidenbau; daher sind dies sinnvolle Vorübungen für das eigentliche
Pyramidenbauen." (Fodero 1996, S. 29) Bei diesen Übungen gibt es verschiedene Schwierigkeitsstufen (A-D). Es sollte jedoch immer mit den einfachsten begonnen werden, damit auch alle bei der ersten akrobatischen Betätigung ein Erfolgserlebnis haben. Dabei werden auch gleich die eben gelernten Griffe und Haltetechniken in die Praxis umgesetzt. Diese Übungen sollten zuerst mit etwa gleich großen und -schweren PartnerInnen erfolgen, später aber auch mit unterschiedlich großen TeilnehmerInnen, da auch sie einen gemeinsamen Schwerpunkt haben und finden können.
A B
A: Die PartnerInnen stehen sich gegenüber und fassen sich mit dem einseitig
überkreuzten Handgriff, die Zehenspitzen berühren sich. Bei Blickkontakt lassen sich nun beide vorsichtig nach hinten gleiten, bis alle Arme vollkommen
durchgestreckt sind, und versuchen die Balance ca. 15 Sekunden zu halten. Dann ziehen sie sich gegenseitig wieder nach vorne, bis sie wieder alleine stehen können.
B: Die PartnerInnen nehmen dieselbe Blickrichtung und den zweifachen
Krallengriff ein. Auf Kommando lassen sie sich in die entgegengesetzte Richtung gleiten.
C D
C: Die PartnerInnen schauen in die entgegengesetzte Richtung, am einfachsten
ist wieder der zweifache Krallengriff.
D: Wenn Übung A mit dem doppelten Hand-Hand-Griff durchgeführt wird, können
die PartnerInnen in der Balance ein vorher festgelegtes Handpaar lösen. Diese Steigerung kann natürlich auch auf die Übungen B und C übertragen werden.
Nun kann der eigentliche Einstieg in die Partnerakrobatik erfolgen.
weiter...
|