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Circuspädagogik. Erarbeitung einer Konzeption für einen Akrobatik- und Menschenpyramidenworkshop mit dem Ziel einer Präsentation

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c. Grundsätzliche Sicherheitsregeln

Akrobatik und Menschenpyramiden werden leider immer noch oft mit der Vorstellung verbunden, daß es gefährliche und riskante Disziplinen sind, bei denen das Verletzungsrisiko besonders hoch ist.

Tatsache jedoch ist, daß bei diesen Disziplinen weitaus weniger Verletzungen erfolgen als bei Volkssportarten wie Fußball und Handball. Gründe dafür sind u.a., daß beim Bauen von Menschenpyramiden ein gemeinsames Ziel erreicht werden will. Es gibt kein Gegeneinander, wie es bei den meisten Mannschaftssportarten üblich ist. Darüber hinaus sind alle Bewegungsabläufe Schritt für Schritt einübbar und erlernbar, wobei auf alle notwendigen Sicherheitshilfen zurückgegriffen werden soll.

Wenn die Grundvoraussetzungen erfüllt und ein richtiges Warmmachen stattgefunden hat, kann mit der eigentlichen Akrobatik begonnen werden. Dabei müssen einige Sicherheitsregeln beachtet werden:

  • Jede Übung oder Pyramide sollte den Ausführenden vorher so klar wie möglich sein. Dies kann z.B. durch Vormachen, Zeichnungen, Photos oder Video erfolgen.
  • Jede Position mit AnfängerInnen sollte einzeln besprochen werden (Aufstieg, richtige Bewegungsabfolge, Haltung, Abstieg, mögliche Fehler).
  • Kommandos sollten klar abgesprochen und eingehalten werden. Sie helfen allen Beteiligten (inklusive der Hilfestellung), sich auf das Kommende einzustellen und das eigene Verhalten richtig zu timen. Gängiges Kommando ist “Und-Hopp”, wobei das vorbereitende “Und” gleichzeitig durch einen kurzes Drücken (z.B. Händedruck) unterstützt wird. Bei “Hopp” erfolgt die Ausführung der geplanten Aktion.
  • Allen TeilnehmerInnen muß klar sein, daß sie bei schwindender Kraft oder anfangendem Schmerz (infolge falscher Ausführung) rechtzeitig den Anderen das Signal zum Abbau geben müssen, damit ein geordneter Abgang noch möglich ist. Individuelles “Heldentum” und “Zähne-zusammen-beißen” hilft niemanden, denn kurze Zeit später ist oft der Punkt erreicht, an dem der/die Betroffene die Stellung nicht mehr halten kann, so daß ein Einsturz oder zumindest ein ungeordneter Abbau erfolgt, so daß das Verletzungsrisiko steigt.
  • Wenn eine Übung Schmerzen bereitet oder die Kraft einer einzelnen Person überfordert, besteht ein grundsätzlicher Fehler beim Aufbau oder der Schwierigkeitsgrad der Übung ist zu hoch gewählt. Der Fehler liegt nicht bei der betroffenen Person.
  • Bei allen Übungen müssen genügend Menschen beteiligt sein, damit eine ausreichende Hilfestellung garantiert ist. Hilfestellung ist grundsätzlich bei jeder Übung nötig. Sie “ist sowohl eine aktive als auch eine passive Technik des Helfens, mit der gemeinsames Ausprobieren und Lernen möglich gemacht und Unfälle vermieden werden können” (Fodero 1996, S. 37).
  • Besonders am Anfang bei neuen Übungen und Pyramiden besteht ein großer Teil der Hilfestellung in einer aktiven Unterstützung durch Haltgeben von anderen TeilnehmerInnen, wenn dies noch nötig ist. Die andere Aufgabe der Hilfestellung ist es, im Fall eines Sturzes die Betroffenen abzufangen, um das Verletzungsrisiko zu reduzieren. Daraus folgt, daß die Hilfestellung auch körperlich dieser potentiellen Aufgabe gewachsen, also groß und stark genug sein muß. Sie steht dort, wo die Gefahr des Herunterfallens besteht, und muß sehr konzentriert bei der Sache sein, auch wenn die Übungen schon öfters gelungen sind. Oft ist mehr als eine Sicherheitsstellung erforderlich, da ein Sturz nach vorne und hinten erfolgen kann.
  • Falls es doch einmal zu einem Sturz kommt, müssen sich alle Beteiligten an bestimmte Verhaltensregeln halten, um das Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten:
  • - Die Unterperson soll nach Möglichkeit an der Stelle bleiben, da dadurch die Gefahr eines Aufeinanderprallens am kleinsten ist und sich so alle Beteiligten noch am Besten auf die Situation einstellen können.
  • - Die Oberperson sollte “versuchen, auf den Beinen zu landen und den Sturz durch leichtes Beugen der Knie abzufangen” (Fodero 1996, S. 33). Bei einer Kopf-über-Position erfordert dies ein sofortiges seitliches Wegdrehen mit gleichzeitiger Hüftbeugung. Sie sollte nach Möglichkeit immer nach vorne und nicht nach hinten abspringen, da der Fall nach hinten ungewohnt ist.
  • - Die Hilfestellung sollte den Sturz abfangen, indem sie die Taille oder die Brust der/des Stürzenden umfaßt. Den besten Halt hat sie, wenn sie die Füße schulterbreit auseinanderstellt und die Knie leicht gebeugt hält.
  • - Es sollen während der Übung keine abrupten Bewegungen erfolgen, d.h. Gewichtsverlagerungen und Positionswechsel sollen langsam und kontrolliert erfolgen.
  • - Besonders Kinder und Jugendliche wollen bei einem Workshop nicht nur ernst sein und “blödeln” viel herum. Dagegen spricht meiner Meinung nach grundsätzlich nicht viel, es muß ihnen nur klar sein, daß in den Momenten, in denen eine Übung erfolgt, kein Blödsinn gemacht werden darf. Dies gilt sowohl für die direkt Beteiligten als auch für momentan Unbeteiligte.
  • - Die Workshopleitung sollte auch darauf achten, daß kein größerer Gruppendruck entsteht, durch den die individuell unterschiedlichen Grenzen des Leistungsvermögens und des Willens Einzelner, neue Erfahrungen zu machen, gegen deren Willen überschritten werden. Dies führt zudem zu riskanteren Situationen.
  • - Wenn Beteiligte erhebliche Zweifel daran haben, ob sie eine Pyramide versuchen wollen, sollte dies respektiert und eine einfachere Übung gefunden werden.
  • - Durch Bewegungen werden die Matten manchmal verschoben. Sie sollten dann baldmöglichst wieder zurechtgerückt werden, da über-einanderliegende Matten ein erhöhtes Verletzungsrisiko darstellen.

 

Die Workshopleitung sollte einige Grundregeln im Hinterkopf behalten, wenn es an die Umsetzung der akrobatischen Übungen und der Menschenpyramiden geht (vgl. Fodero 1996, S. 19 ff):

  • Erfolg sicherstellen:

Die ersten Übungen sollten so gewählt werden, daß ein Erfolgserlebnis sichergestellt ist. Das gibt den TeilnehmerInnen Sicherheit und motiviert zu neuen, schwierigeren Übungen, bei denen daraufhin die Frustrationstoleranz höher sein wird.

 

  • Vom Bekannten zum Unbekannten:

Muster und Übungen, die schon einmal erfolgreich erprobt wurden, können oft wieder in anspruchsvolleren Pyramiden eingesetzt werden. So fällt der Einstieg in eine neue oder größere Pyramide leichter.

  • Umgehen mit körperlichen Unterschieden:

Es wird immer einige geben, die schneller lernen als andere, weil sie mehr Vorerfahrungen haben oder einfach begabter sind. Die Workshopleitung sollte darauf achten, daß sich alle möglichst ihrem individuellen Lerntempo gemäß entwickeln können. Das kann in der Praxis bedeuten, die Gruppe aufzuteilen und verschieden schwierige Übungen vorzugeben.

  • Sicherheit garantieren:

Von Anfang an sollte das Prinzip der Hilfestellung eingeführt werden, auch bei den einfachen Anfangsübungen, damit sich die Kinder und Jugendlichen von Anfang an daran  gewöhnen. Am einfachsten ist es, wenn sich die TeilnehmerInnen in Dreiergruppen aufteilen und die Partnerübungen jeweils in allen möglichen Varianten umsetzen.

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Lexikon Pädagogik: Hundert Grundbegriffe
Siehe auch:
Empirische Sozialforschung: Eine Einführung
Sternstunden der Soziologie: Wegweisende Theor...
Sonstige Artikel:
Römische Geschichte: Band II. Von der Schlacht von Pydna bis auf Sullas Tod
Lustige Dinge, die man aber nicht machen darf: Die kleinen bösen Bücher
von Andrea Senzel
 
   
 
     

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