|
3. Exkurs: Akrobatik
a. Geschichte
Das Wort Akrobatik entstammt der
griechischen Sprache und bedeutet soviel wie auf den Zehen gehend. Der Begriff Akrobatik taucht jedoch erstmals während des 18. Jahrhunderts in Frankreich auf und war die Bezeichnung für den Seiltänzer
im Jahrmarktstheater. (vgl. Melczer-Lukacs 1989, S. 9)
Das Bauen von Menschenpyramiden jedoch hat schon eine sehr lange Tradition:
Es existieren ägyptische Malereien aus dem
Jahr 2000 v. Chr., die Menschenpyramiden zeigen, so daß angenommen wird, daß diese Form der Akrobatik aus Ägypten stammt (Fodero 1996, S. 11). Bei den antiken olympischen Spielen der Griechen war das Pyramidenbauen ein Bestandteil, und römische Soldaten nutzten es gar gelegentlich, um feindliche Stadtmauern zu erobern.
Es folgten 1000 Jahre Dunkelheit bezüglich
der Bühnenkunst in Europa, erst im 16. Jahrhundert wird von Akrobatikwettkämpfen bei den Venezianischen Spielen in Italien berichtet, bei denen es allerdings in erster Linie um ein Kräftemessen ging, was
schon aus dem Namen; Forze d Ercole (Die Arbeiten des Herkules) hervorgeht. (Fodero 1996, S. 12)
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts werden
Menschenpyramiden in die sogenannte Leibeserziehung eingeführt und von da an oft bei spektakulären Darbietungen auf Turnfesten wie z.B. bei den jährlichen Festen und den 25-Jahr-Feiern der deutschen
Turnvereine und den von slowakischen Sokolen veranstalteten Slets (Festspiele) (Fodero 1996, S. 12) dargeboten.
Menschenpyramiden finden heutzutage
wieder mehr AnhängerInnen, so werden z.B. in Ferienprogrammen und Volkshochschulen des öfteren entsprechende Kurse angeboten und auch durch die immer häufiger werdenden Kinderzirkusprojekte findet diese
Akrobatikdisziplin einen größeren Zulauf.
b. Verschiedene Sparten
Akrobatik ist ein großer Überbegriff, der sich
grundsätzlich in Boden- und Luftakrobatik (z.B. Trapez) einteilen läßt. Bodenakrobatik wiederum kann in statische und dynamische Akrobatik (z.B. Wurf- und Schleuderakrobatik) unterteilt werden:
Unter statischer Akrobatik ist der gezielte Einsatz
von Techniken und Körperkräften zu verstehen, deren Anwendung nötig ist, um bestehende (hier besonders: extreme, nicht alltägliche) Positionen zu erhalten. Je sicherer ein Gleichgewichtszustand
beherrscht wird, desto weniger Muskelkraft muß aufgewandt werden, um das Gleichgewicht zu erhalten. Wenn dagegen das Gleichgewicht labil ist, muß durch permanenten Krafteinsatz die Gleichgewichtsstellung
neu ausbalanciert werden.
Der Begriff dynamische Akrobatik
hingegen bezeichnet diejenigen Kräfte und Techniken, mit denen man akrobatische Bewegungsabläufe steuert (...). Wie auch bei der statischen Akrobatik sind die meisten der eingesetzten Bewegungen im
alltäglichen Bewegungsrepertoire nicht enthalten.
Die Grenzen zwischen beiden Bereichen sind teilweise fließend (...) (Melczer-Lukacs 1989, S. 16).
Im Rahmen dieser Arbeit wird es um
statische Bodenakrobatik gehen. Sie setzt sich im Wesentlichen aus Partnerakrobatik (manchmal auch Positionsakrobatik genannt) und Menschenpyramiden zusammen, wobei auch hier der Übergang bei einzelnen
Übungen fließend ist.
Einteilungskriterien für Partnerakrobatische Übungen sind z.B.:
- Schwierigkeitsgrad
- Anzahl der beteiligten Menschen
- Symmetrische oder unsymmetrische Gleichgewichtsstellungen
Einteilungskriterien für Menschenpyramiden sind z.B.:
- freie Pyramiden oder Pyramiden mit Geräteaufbau
- Bankpyramiden
- Bückstandpyramiden
- Kniestandpyramiden
- Schulterstandpyramiden
- Pyramiden mit Hand und Fuß
- Flächenpyramiden
In dieser Arbeit werden
hauptsächlich freie, meistens statische Flächen- und Bankpyramiden behandelt, andere Formen (z.B. Verwandlungspyramiden, Bewegungspyramiden) werden höchstens am Rande erwähnt.
weiter...
|