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IV. Erarbeitung einer Konzeption für einen
Akrobatik- und Menschenpyramidenworkshop mit dem Ziel einer Präsentation
Im folgenden wird eine Konzeption für einen Akrobatik-
und Menschenpyramidenworkshop erarbeitet. Ich habe mich für den Teilbereich der Akrobatik entschieden, weil ich darin neben Jonglieren die meiste Workshoppraxis habe und weil es der Bereich ist, in dem
meiner Meinung nach die Möglichkeiten der Circuspädagogik am eindrucksvollsten zum Vorschein kommen.
Die Zielgruppen für dieses Konzept sind
Kinder ab acht Jahren und Jugendliche. Ab diesem Alter ist die Entwicklung der Kinder besonders von den im Kapitel II genannten Umweltbedingungen geprägt. Das direkte häusliche Umfeld ist oft zu genüge
erkundet und der Aktionsradius der Kinder nimmt v.a. durch die Nutzung von Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln erheblich zu. Gleichzeitig setzt die Beschränkung der Bewegungsmöglichkeiten durch den
Straßenverkehr ein, zudem stehen Kinder in diesem Alter unter erheblichem Schuldruck. Sportliche Betätigung ist meist nur im Rahmen von Sportvereinen möglich, oftmals herrscht dort allerdings wegen dem
eindimensionalen Streben nach Bestleistungen (höher, schneller, weiter) auch Konkurrenzdruck.
Ab diesem Alter sind Kinder und
Jugendliche eine hervorragende Zielgruppe für die hier vorgestellte Konzeption, weil sie den Workshoport oftmals schon ohne elterliche Hilfe erreichen und sich einen Ausgleich zu der
leistungsorientierten Schule verschaffen können.
Zwar ist es prinzipiell möglich,
Akrobatik- und Menschenpyramidenworkshops auch mit jüngeren Kindern durchzuführen, jedoch müßte meiner Meinung nach für diese Altersgruppe eine eigene Konzeption erstellt werden, da sie die meisten der
weiter unten angeführten Übungen und Pyramiden nicht ohne Ältere ausführen können, weil die nötige Kraft und Körperbeherrschung noch nicht entwickelt sind.
Bei einem Akrobatik- und
Menschenpyramidenworkshop werden viele Bereiche gefördert, die ebenso in anderen Teamsportarten gestärkt werden, wie beispielsweise allgemeine körperliche Beweglichkeit, soziale Interaktion und
Zusammenarbeit. Im folgenden sind Ziele genannt, die speziell durch Akrobatik erreicht werden können:
1. Körperliche Fertigkeiten
- Bildung der Tiefensensibilität:
Wenn zwei oder drei Akrobaten gemeinsam
eine Position aufbauen, dann ist es für jeden nötig, auch das Gewicht und die Bewegungen der anderen fast so zu fühlen, als ob es der eigene Körper wäre. Die Partner bilden in bezug auf die Schwerkraft
ein Kraftgebilde, das von jedem innerlich erfühlt und gehalten werden sollte. Das Körperbewußtsein dehnt sich in einem gewissen Sinne über den eigenen Körper hinaus auch auf die anderen aus. Bei
Positionsveränderungen gelingt das richtige Timing nur, wenn alle Beteiligten das einheitliche Gebilde erfühlen. (Ballreich 1999, S. 29)
- Steigerung der Körperkraft und Körperspannung:
Ein Menschengewicht zu halten oder zu tragen, erfordert
eine gewisse Kraft, die nach und nach wächst. Verschiedene Übungen beanspruchen unterschiedliche Muskeln. Speziell der Mensch in der oberen Position benötigt eine gute Körperspannung, damit der Untere
die Balance einfacher finden und halten kann.
- Erweiterung der Balancefähigkeit:
Der Gleichgewichtssinn ist bei der Akrobatik sehr
wichtig, er wird geschult und ausgebaut, wenn Übungen neu gelernt oder vertieft werden.
2. Soziale Prozesse
Wenn ein Kind von den anderen getragen wird, die Oberen
auf den Unteren aufbauen, muß man sich gegenseitig vertrauen lernen oft sogar blind. Dies geschieht nicht immer auf Anhieb, doch wenn man sich bei einer Partnerübung gegenseitig vertrauen lernt, ist es
eine wichtige Erfahrung.
Akrobatik erfordert einen hautnahen Kontakt, der oft
körperlich intensiver als in anderen Sportdisziplinen ist. Dabei ist es wichtig, die Grenzen der anderen zu erkennen und zu respektieren. Auch die eigene Grenze muß erkundet und gezeigt werden.
- Aufbrechen von eingespielten Gruppenhierarchien
Schwerfällige, kräftige Kinder und Jugendliche sind
beim gemeinsamen Pyramidenbau oft ungewohnt wichtig für die Gruppe, da sie eine stabile Basis bilden. Kleiner gewachsene und leichte Kinder stehen in der Pyramide ganz oben. Alle können ihre
individuellen körperlichen Eigenschaften positiv in die Gruppe einbringen. Dadurch werden oftmals AußenseiterInnen, die aufgrund körperlicher Merkmale nicht gut in die Gruppe integriert sind,
aufgewertet, was zu einer Infragestellung der herrschenden Gruppenhierarchie führen kann.
3. Mentale Fähigkeiten
Pyramidenskizzen werden in die Realität umgesetzt, die
jeweiligen Positionen sollen sinnvoll aufgeteilt werden. Oft müssen Abweichungen von der Skizze gemacht werden, weil andere Voraussetzungen gegeben sind. Eigene Ideen kommen dazu und es entstehen nach
und nach neue, eigene Pyramiden. Einzelne Balanceübungen werden kombiniert und in eine fließende Abfolge gewandelt. Oder einE TeilnehmerIn wird kurz vor dem Auftritt krank, so daß die ganze Nummer wieder
umgestaltet werden muß.
Dies alles sind Situationen, die immer
wieder vorkommen und die das problemlösende Denken fördern und verbessern.
weiter...
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