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II. Zur Lebenssituation von Kindern und
Jugendlichen in der BRD
Das folgende Kapitel geht von der These aus, daß Kinder
und Jugendliche heutzutage immer weniger Möglichkeiten haben, ihren körperlichen Bewegungsdrang auszuleben, und daß dies zu körperlich negativen Auswirkungen führen kann.
Der Begriff
der mobilen Gesellschaft wird heutzutage immer häufiger gebraucht. Diese Mobilität schließt körperliche Bewegung kaum mit ein. Mit zunehmender Technologisierung bewegen sich die Menschen im Gegenteil eher weniger. Immer häufiger beklagen ÄrztInnen körperliche Schäden, die durch zu wenig oder falsche Bewegung und daraus resultierenden Haltungsfehlern entstehen. Diese Entwicklung läßt sich besonders bei Kindern und Jugendlichen feststellen. Die Auswirkungen dieses Bewegungsmangels sind bei ihnen noch gravierender als bei Erwachsenen, da ihr körperliches Wachstum noch nicht abgeschlossen ist und sich dadurch dauerhafte körperliche Fehlentwicklungen ergeben können.
Als Ursachen dieses Bewegungsmangels
gelten stundenlanges Sitzen in der Schule, bei den Hausaufgaben, am,Fernseher und am Computer, sowie beengte Wohnverhältnisse und ein Mangel an kindgemässen Bewegungsräumen.
Der Zehnte Kinder- und Jugendbericht sieht die
potentielle Gefährdung im Straßenverkehr als eine wichtige Ursache für die eingeschränkte Bewegungsfreiheit, welche nicht nur in größeren Städten, sondern auch in ländlichen Regionen festzustellen ist, weil auch hier oft verkehrsfreie und bespielbare Flächen fehlen (vgl. Zehnter Kinder- und Jugendbericht 1998, S. 58). Denn wirtschaftliche Interessen haben Vorrang vor kindlichen Bedürfnissen: der Straßenverkehr nimmt jährlich zu, schulische Ausbildungszeiten werden länger, Spielzeiten und Spielmöglichkeiten knapper, und wenn sich Kinder und Jugendliche außerhalb von Sportvereinen sportlich betätigen wollen, stoßen sie bei ihrer Ortswahl oft an die Grenzen gesellschaftlicher Akzeptanz (z.B. Skateboarding und Inlineskating in einer Großstadt).
Eine Befragung von Jugendlichen nach
ihren Freizeitbeschäftigungen ergibt, daß Fernsehen und Videos anschauen vor Sport treiben rangieren (vgl. Deutsche Shell Jugendstudie 1997, S. 344). Es liegt auf der Hand, daß sich ein Mangel an
Möglichkeiten und ein verschobenes Interesse hin zur Nutzung moderner Medien gegenseitig ergänzen und mit vielen anderen Faktoren zusammen eine Situation schaffen, die von einem ungesunden Maß an
körperlicher Inaktivität geprägt ist.
Die Folgen sind vielfältig und machen oft ein Behandeln der Symptome notwendig.
Bewegungsmangelerkrankungen können verschiedener Art sein:
- Herz- und Kreislaufschwächen
- Koordinationsschwächen
- Störungen am Haltungs- und Bewegungsapparat
- Konzentrationsschwächen
- Verhaltensauffälligkeiten (zum Beispiel Angst, Hemmungen, Aggressionen)
- Schlafstörungen
- Fettleibigkeit
Doch es ist nicht nur die motorische Entwicklung
gefährdet, sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung. Für die Persönlichkeitsbildung wichtige Körper-, Material-, Raum-, Zeit-, Gleichgewichts- und Koordinationserfahrungen können nicht ausreichend
entwickelt werden, wenn die nötigen Bewegungsreize ausbleiben. Besonders bei Kindern bis zur Pubertät muß durch einen Mangel an täglicher Bewegung mit negativen Folgen für Wachstum und Reifung gerechnet
werden.
Circuspädagogik regt dazu an, sich
freiwillig und vor allem aus Spaß zu bewegen. Circuspädagogik kommt ohne gymnastische Turnübungen aus und bedeutet neben den unterschiedlichsten Bewegungserfahrungen auch ein Erlebnis, wie es
Bewegungsübungen im häuslichen Wohnzimmer nicht vermitteln können.
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